Es fühlt sich an, als würde man einem Autounfall in Echtzeit zusehen.

Am 01. September 2024 besuchte ich das Preview-Screening von The Substance mit meiner Partnerin Nina im kleinen Kultur-Kino Bourbaki in Luzern. Wir hatten beide jegliche Trailer und Inhaltsangaben vermieden um so unvoreingenommen wie möglich die Vorstellung zu besuchen. Schockiert, entsetzt, geflashed und doch auch bezaubert trudelten wir danach aus dem Kinosaal. Das Gefühl nach dem Film beschrieb Nina mit “Es fühlt sich an, als würde man einem Autounfall in Echtzeit zusehen”. Eine atemberaubende Erfahrung hatten wir in diesem kleinen Kinosaal. Eine Erfahrung auf welche man sich nicht so leicht ein zweites Mal einlassen wird. Dafür, muss man bereit sein und das Popcorn lieber an der Kasse stehen lassen – schlecht wurde mir mehrmals während des Films.

The Substance (2024)

Knapp ein Jahr später war es nun soweit. Wir haben uns diesen Spooky-October entschieden, das Feature-Film Debut der talentierten französischen Regisseurin Coralie Fargeat zu schauen – Revenge. Ein einfacher und doch so passender Titel für das bemerkenswerte Debut.

Why do women always have to put up a fight?

Bei dem französische Thriller, welcher im September 2017 am 42. Toronto International Film Festival premierte, hat die 48 jährige Französin, gleich wie bei The Substance, Regie geführt, wie auch das Drehbuch geschrieben. Hier in der Schweiz hatte Revenge die Premiere am Festival International du Film de Fribourg (FIFF).

Matilda Lutz spielt die pink eingekleidete Mistress Jen, welche mit ihrem Geliebten Richard (gespielt von Kevin Janssens) per Helikopter zu seiner Luxuriösen Ferien-Villa in die Wüste fliegen. Da wollen die beiden gemeinsam Zeit verbringen bevor Richards Freunde Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchéde) für ihren jährlichen Jagdtrip anreisen. Die beiden Freunde von Richard erscheinen doch unerwartet früher als gedacht und treffen auf Jen. Während Richard am nächsten Tag, die abgelegene und isolierte Villa für ein paar Stunden verlässt, wird Jen von einem der beiden Jagdpartner auf brutale Art vergewaltigt während der andere die Situation ignoriert. Nach Richards Rückkehr zur Villa begeben sich die drei Männer mit Jen in die Wüste und stossen Jen von einer Klippe um das “Problem” zu beseitigen. Unerwartet für die drei hat Jen diesen Sturz aber überlebt und setzt zur brutalen und sehr blutigen Rache an.

Revenge (2017) – Cinematographie Robrecht Heyvaert

Der knapp 110 minütige Thriller hat ein unglaubliches Tempo – nach nur 30min startet Jens Reise von verwöhnter Partygirl-Mistress eines reichen Businessman zur blutüberströmten Kriegerin. Der ambitionierte Debut-Film lebt von der vielfältigen Farbpalette und der unglaublich geführten Kamera von Cinematograph Robrecht Heyvaert. Isoliert in der Wüste von Marokko kämpft Jen um ihr überleben mit allen Mitteln die ihr sich anerbieten. Die Kulisse welche von Filmen wie Mad Max inspiriert wurde – laut Coralie Fargeat – funktioniert durch die atemberaubende Inszenierung und übertrifft viele Vorreiter des Genres. Der Film funktioniert grösstenteils non-verbal mit relativ wenig Dialog. Thematisch befasst sich der Film auch mit der niederträchtigen Art mit welcher gewisse Männer sich Anrecht oder Anspruchsberechtigungen von Frauen an den Tag legen. Matilda Lutz zuzusehen, wie sie sich die wohlverdiente Rache bei den abscheulichen männlichen Figuren im Film an sich reisst, gibt einem einen unglaublichen Rush. Die Konklusion und der finale Showdown ist gleichzeitig sehr erfüllend und dennoch unglaublich brutal und herzzerreissend. Lutz’s Performance hätte hierfür viel mehr Anerkennung verdient, als der Indie-Film und dessen Star erhalten haben.

Revenge (2017) – Blutiger Showdown zwischen Jen und Richard

Falls du den Film noch nicht gesehen hast, und diesen gerne schauen möchtest, findest du diesen in der Schweiz aktuell auf Prime Video im Stream und auf diversen Video-On-Demand Plattformen zu leihen oder zu kaufen (Apple, blueTV etc. ).

Schaut gerne auf meinem Letterboxd Profil vorbei:


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